Die Börsen am 12.3.2020 & 13.3.2020

 

Es ist 15.10 Uhr am Donnerstag den 12.3.2020 und der DAX steht mit 9,74% im Minus bei 9.421,81 Punkten und ich möchte einmal „Revue passieren lassen“, wie wir hier landen konnten und was uns in den nächsten Tagen und Wochen erwarten könnte.

Wie geht es Ihnen eigentlich dabei die Kurse so abstürzen zu sehen ?

Ganz ehrlich, ich glaube ganz fest, dass einige der professionellen Marktteilnehmer schon sehr lange darauf warten, dass der Markt stärker einbricht bzw. korrigiert. Nur hat der Markt in den letzten Jahren alle negativen Meldungen und Informationen ignoriert und alles auf eine Karte gesetzt – Aktien. Wie immer, ist man geneigt zu sagen, und das trifft es vermutlich auf den Punkt.

Wir erinnern uns, dass es in den letzten Jahren immer hieß, dass bei den niedrigen Zinsen, die Anlageklasse Aktien alternativlos sei und diese Meinung so gut es ging immer wieder präsentiert wurde. Das mag grundsätzlich auch stimmen, aber die Börse lebt von Mustern, Zyklen und tatsächlichen Wirtschaftsleistungen. Und wenn wir uns die Daten der letzten Jahre anschauen, dann haben die Frachtraten in der Schifffahrt und die Rohstoffpreise schon lange ein ziemlich klares Bild gezeigt. Die Wirtschaft läuft, aber sie brummt nicht mehr. Und an der Börse wird immer die Zukunft gehandelt. Nun bis Ende letzten Jahres.

So kommt es wie es kommen musste, Ende 2019 wächst die deutsche Wirtschaft nicht mehr und aus der Jahresprognose von 1,1 Prozent sind nur noch 0,6 Prozent Wachstum übriggeblieben. Im Vergleich zu den 3,0 % mit denen das weltweite Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2019 gewachsen ist, ist das vergleichsweise niedrig hierzulande. Aber das Entscheidende ist viel mehr, wieviel Nachfrage nach Rohstoffen und Verschiffungen besteht, weil es direkt wiederspiegelt, wie die Unternehmen handeln und es durchaus ein Zusammenhang zwischen Rohstoffen, Baustoffen, Getreide und Lebensmitteln und den Wirtschaftsleistungen der Vergangenheit gab.

BALTIC DRY INDEX hier gehts zum aktuellen Chart auf Bloomberg (bitte Link kopieren und in Browser einfügen): https://www.bloomberg.com/quote/BDIY:IND

Wenn wir uns jetzt noch einmal vor Augen halten, dass die Umbrüche in der Technologie und beim Klima dazu geführt haben, dass wir in rasanter Geschwindigkeit in Europa vom Verbrennerfahrzeug zum Elektroauto wechseln wollen und die für Deutschland wichtige Autoindustrie in den letzten Jahren definitiv nicht den Börsenboom getragen haben, dann könnte man bei genauerer Betrachtung der gelisteten Unternehmen erkennen, dass es oftmals die „Internetwerte“ waren, die Technologiefirmen und spezielle Konsumtrend-Aktien, aber nicht unbedingt die breite Masse an Unternehmen, die das tatsächliche Wirtschaftsgeschehen in einem Land wiederspiegeln.

Kurs-Gewinn-Verhältnisse

Aktuell wird für die BMW-Aktie ein KGV von 5,35 für 2020 ausgewiesen, Volkswagen 4,59 und Daimler 6,36. Die Tesla Aktie steht aktuell bei einem KGV von 77,45. Wenn wir uns die Kurs-Gewinn-Verhältnisse einiger Aktien ansehen, dann sehen wir überall ähnliches Bild. Eine Amazon Aktie steht bei einem KGV von 64,00, während viele andere Aktien bei 16 oder 22 notieren. (Alle Daten von Cortalconsors.de, 12.3.2020, 15.45 Uhr)

Die neuen Ideen und der gesellschaftliche Wandel haben die Kurse bewegt und mit Wachstumsfantasien beflügelt, während die „reale“ Wirtschaft und Produzenten von Waren schon längere Zeit tendenziell eher Seitwärtsbewegungen zeigten. Und um das Ganze auch noch einmal deutlich zu machen, hat der DAX eigentlich schon Anfang 2018 fast sein hoch gesehen, bevor die Kurse, wie auch im Jahr 2015 nachgaben. Dass die Kurse im Jahr 2019 so stark anstiegen, hat die Fallhöhe jetzt noch einmal mehr erhöht.

Auslaufende Zyklen

Wenn wir diese Umstände zusammenziehen und noch die typischen zyklischen Bewegungen an den Märkten berücksichtigen, dann warten professionelle Investoren schon länger auf eine größere Korrektur oder gar einen Crash. Ganz zu schweigen von den ganzen Zyklen, die in den Jahren 2020-2022/23 angeblich ihr Ende finden und Verwerfungen mit sich bringen sollen.

Das dieser Crash nun durch einen Virus ausgelöst wurde, der die Wirtschaftsleistung von China und folgend auch Europa und den USA beeinflussen wird, kann vielleicht sogar als „langsames entweichen“ der ausgedehnten Kurse gesehen werden. Und dürfte damit leichter verdaulich sein, als ein Crash nach einem „normalen“ wirtschaftlichen Einbruch, weil sich so die Wirtschaft nach der Pandemie erholen, man sich den Staub von der Kleidung wischen und zum „Business as usual“ übergehen wird und dann mit steigenden Umsätzen vermutlich wieder steigende Kurse sehen wird. Hoffentlich in einer nachhaltigen Form.

Die nächsten Wochen

Aber vorher werden wir vermutlich erst noch einmal das Tal der Tränen sehen und vor allem durchschreiten müssen. Sollte dies nicht der Fall sein und sollten wir wieder schnelle Kursgewinne sehen, die die Märkte auf die alten Höchststände bringen, dann würde mich das sehr skeptisch machen.

Wir werden in den nächsten Wochen sehen, wie sich die „Viruslage“ entwickelt und wann sie vor allem endet. Die Unternehmen werden aber dennoch einiges an Auswirkungen zu spüren bekommen und ich möchte noch gar nicht daran denken, welchen Schaden gerade auch kleine und mittlere Unternehmen in den nächsten Wochen erleiden, der dann natürlich auch nochmal den Druck auf die großen Unternehmen erhöhen wird.

Tatsächlich wird man am besten die Scherben und den Schutt am Ende zusammenfegen und sehen, wo die Unternehmen stehen. Alles weitere wird sich dann über die folgenden Monate zeigen, und mit steigenden und stabilisierenden Umsätzen zu einer Neuausrichtung führen.

 

13.3.2020

Da ich diesen Artikel am 12.3.20 geschrieben habe und heute bereits der 13.3.20 ist darf ein kurzer Kommentar zum heutigen Handelstag nicht fehlen. Nach den ersten Aufwärtsbewegungen zum Handelsbeginn in Europa, die nach solch starken Abverkäufen des Vortags oft genutzt werden, gaben die Indizes und die einzelnen Werte durchaus wieder Gewinne ab, so dass manches Unternehmen tatsächlich noch weiter ins Minus rutschte, der überwiegende Teil aber, geht mit einem leichten Plus aus dem Handelstag und beliebtere Titel auch mit etwas mehr.

Zur aktuellen Zeit kann sich aber absolut niemand sicher sein, wo die Reise in der nächsten Woche hingeht, weil sich dies sicher mit jeder Meldung über das Wochenende verändern könnte und die schlechten Unternehmensmeldungen werden auch erst in einigen Wochen kommen. Wie auch immer, in einigen Wochen wird es dann darauf ankommen, ob sich die Börse für die Verluste interessieren oder ob man sich eher auf die Zukunft, die Zeit nach der Pandemie, fokussieren wird.

Wie aber bereits erwähnt, können wir uns heute keinesfalls sicher sein, dass dies das Ende der Fahnenstange ist, denn die Bewertungen liegen nach wie vor immer noch bei denen von vor drei bis vier Jahren. Für einen „echten Crash“ könnte das durchaus noch viel zu wenig sein. Und wie es heißt greifen die Notenbanken auch schon fleißig mit Stützungskäufen ein, d.h. die Kurse hätten ggf. auch weiter nachgeben können, wenn die Notenbanken nicht dagegenhalten würden. Da ist viel Psychologie im Spiel und der Versuch den Marktteilnehmern ein gutes Gefühl zu geben. Ob das bei weiteren Abverkäufen dann auch helfen würde, wenn Anleger und Fonds weitere massiv Anteile auf den Markt werfen, das ist sehr fraglich.

Geduldig bleiben, vereinzelt günstige Werte einsammeln, aber nur scheibchenweise und einen klaren Kopf bewahren.

 

Die Indexstände gegen Ende des Handelstages:

DAX 9232,08 (17.45 Uhr)

Dow Jones 22.017,45 (20.02 Uhr)

 

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/illustrations/b%C3%B6rse-weltwirtschaft-aufschwung-4785080/

 

 

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